Bundesligastars bei ihrer "Heim-Europameisterschaft"

Die Tischtennis Europameisterschaften von 4. bis 13 Oktober 2013 in Schwechat gehören der Vergangenheit an und verhalfen vierzehn Spielern der Herren-Bundesliga wertvolle Erfahrungen auf europäischer Ebene zu sammeln. Wie waren die einzelnen Spieler mit ihrer Leistung zufrieden? Was konnte jeder Einzelne aus diesem Event mitnehmen? Wer hat positiv, wer negativ überrascht?

17.10.2013, Autor: Thomas Pinka


Chen Weixing (AUT/WRL 44) - SVS Niederösterreich
Während sich Chen Weixing in Runde eins noch in knappen sieben Sätzen gegen Peter Sereda (SVK/197) durchsetzen konnte, fehlt ihm in Runde zwei gegen den italienischen WSA Schützling Mihai Bobocica (97) die Kraft und unterlag schlussendlich klar mit 1:4. Somit kann der Einzelbewerb für Österreichs Nummer Zwei sicherlich als eine kleine Enttäuschung für ihn persönlich gesehen werden.
In der ersten Runde des Teamevents musste sich Chen Weixing gegen Deutschland dem jungen Patrick Franziska (45) klar mit 0:3 geschlagen geben. Im wichtigen Spiel um den Klassenerhalt gegen Polen konnte man sich aber wieder, wie gewohnt, auf Chen Weixing verlassen und steuerte einen Viersatzerfolg gegen Pawel Fertikowski (245) bei.

Stefan Fegerl (AUT/WRL 86) - SVS Niederösterreich
Wohl die positive Überraschung im Herren-Einzel aus österreichischer Sicht! Nach einem fast einstündigem, mühevollen 4:2 Auftaktsieg über den serbischen Qualifikanten Marko Jevtovic (115), konnte Stefen Fegerl mit dem Rumänen Adrian Crisan (4:2/24) und dem Russen Alexey Liventsov (4:1/73) zwei stärker eingeschätzte Spieler in die Knie zwingen. Im anschließenden Viertelfinale war gegen den weißrussischen Evergreen Vladimir Samsonov (15) sicherlich mehr möglich! Eine 8:4 Führung in Satz eins konnte der Aufsteiger aus Österreich nicht nutzen und Satz vier konnte trotz zahlreichen Satzbällen nicht gewonnen werden. So stand es statt einem möglichen 3:1 für den Waldviertler, 1:3 aus seiner Sicht. Im entscheidenden fünften Satz spielte der routinierte Samsonov äußerst solide und konnte das Match mit 4:1 für sich entscheiden.
Das Herren-Doppel hingegen war für Fegerl/Feng eine einzige Enttäuschung. Gleich in Runde eins unterlag das zweitbeste Doppel Österreichs der serbischen Paarung Jevtovic/Pete klar mit 0:3 und nach bereits 24 gespielten Minuten war dieses Match auch schon wieder zu Ende.
Im Mannschaftsbewerb durfte sich Fegerl in Runde eins gegen Deutschland mit dem späteren zweifachen Europameister Ovtcharov (6) messen und musste beim doch recht umkämpften 0:3 die Überlegenheit seines Gegenübers anerkennen. Ähnlich wie Chen Weixing konnte auch Stefan Fegerl gegen die Polen im wichtigen Match um den Klassenerhalt einen Sieg beisteuern und Daniel Gorak (70) mit 3:1 in die Schranken weisen. Im abschließenden Spiel um Platz neun mit Spanien tat sich Fegerl gegen Jesus Cantero (248) lange schwer, geriet in einen 0:2 Satzrückstand, konnte die Partie jedoch noch drehen und Österreich somit zu einem 3:1 Sieg gegen die Iberer verhelfen.

Feng Xiaoquan (AUT/WRL 238) - Linz-Froschberg AG
Im Einzel war für den Österreicher bereits in der Qualifikation Endstation. Einem 3:1 gegen den Serben Crepulja (351), folgte ein überzeugender Dreisatzerfolg gegen den Esten Lusin (838). Im alles entscheidenden Spiel gegen den favorisierten Englänger Liam Pitchford (126) konnte Feng lange mithalten, ging sogar mit 2:1 in Front, musste sich aber schlussendlich in fünf Sätzen geschlagen geben. Da der zweite Platz in der Gruppe nicht zu einem Aufstieg berechtigt und auch das Doppel mit Stefan Fegerl, wie bereits erwähnt, verloren ging, war die Europameisterschaft für Feng an diesem Punkt beendet.
Zuvor kam der Oberösterreicher jedoch noch zu Teambewerbsehren im Spiel um Platz neun gegen Spanien, unterlag dabei jedoch Marc Duran (177) deutlich mit 1:3.

Daniel Habesohn (AUT/WRL 94) - SVS Niederösterreich
Der Titelverteidiger im Herren-Doppel begann seine Heim-Europameisterschaft mit zwei Erfolgen im Teambewerb gegen Spanien und konnte dabei Alvaro Robles (333) und Marc Duran (177) in fünf bzw. vier Sätzen besiegen.
Im Herren-Einzel musste Danny durch die Qualifikation, welche er jedoch mit Siegen ohne Satzverlust über Berardi (SMR/1269), Indeherberg (BEL/293) und Pryshchepa (UKR/292) souverän meisterte. In Runde eins des Hauptbewerbes ging es dann gegen den wie immer spektakulär agierenden Griechen Kalinikos Kreanga (68). Trotz einer 2:1 Satzführung und einem 8:4 Vorsprung in Satz vier reichte es für den gebürtigen Wiener nicht und er musste sich in sechs Sätzen geschlagen geben.
Der große Auftritt des Danny Habsohns sollte jedoch mit dem Doppel noch folgen. Nach einem mühsamen 3:2 Erfolg über das slowakische Duo Keinath/Novota konnten sich Habesohn/Gardos im Turnierverlauf spielerisch immer weiter steigern. Nachdem in Runde zwei die Rumänen Ionescu/Szocs souverän 3:1 besiegt werden konnte und auch die Doppel-Europameister aus dem Jahr 2011, Freitas (POR)/Gacina (HRV) beim  4:1 keine allzu große Hürde darstellten, war eine Medaille bereits fix. Im Semifinale warteten mit He Zhi Wen und Carlos Machado zwei gefährliche Spanier, die nach einem wahren Krimi in sechs packenden Sätzen ausgeschaltet werden konnten. Dass es für Habesohn/Gardos schlussendlich „nur“ zu Silber gereicht hat, ist der starken Doppelpaarung Tan Ruiwu (HRV)/Wang Zeng Yi (POL) zu verdanken. In einem Spiel über fünf Sätze, in denen die Österreicher jedoch nicht an ihre sportlichen Höchstleistungen der Tage zuvor anschließen konnten, agierten die gebürtigen Chinesen zu solide und konnten ihren ersten großen gemeinsamen Titel feiern.

Dominik Habesohn (AUT/WRL 303) - SVS Niederösterreich
Mit einer sportlich sehr engagierten Leistung konnte auch Dominik Habesohn bei der Heim-Europameisterschaft in Schwechat überzeugen. In seinem ersten Einzel ließ er dem Kroaten Kojic (271) beim 3:0 keine Chance und in Spiel Nummer zwei sollte es gegen den Tschechen Pavel Sirucek (89) bereits um den Gruppensieg gehen. In einem wahren Krimi vermochte der Wiener jedoch vier Matchbälle im entscheidenden fünften Satz nicht zu nutzen und unterlag denkbar unglücklich. In seinem letzten Match gegen den Aserbaidschaner Aliyev (1356) konnte er den zweiten Platz in dieser starken Gruppe fixieren, schied jedoch als Gruppenzweiter leider aus..
Im Doppel, gemeinsam mit Martin Heimberger, konnte man einen 3:0 Sieg gegen die irisch/walisische Paarung O’Connell/Robinson erreichen, musste sich jedoch Akerstrom/Oversjo (SWE) und Jakab/Kosiba (HUN) in drei bzw. vier Sätzen geschlagen geben und erreichte damit Platz drei in der Doppel-Qualifikationsgruppe.

Martin Heimberger (AUT/WRL 446) - Ece Grill Kapfenberg
Martin Heimbergers persönliches Fazit: „In der Qualifikationsgruppe zum Einzel habe ich den zweiten Platz belegt, wobei leider nur der Erste aufgestiegen ist. Gegen zwei Gegner (Anm. Anastasios Riniotis [GRE/361]und Niagol Stoyanov  [ITA/188]), die in der Weltrangliste vor mir platziert sind, konnte ich gewinnen. Das entscheidende Spiel (Anm. Ionescu [ROU/174]) habe ich jedoch knapp im 5. Satz 10:12 verloren. Meinen Möglichkeiten entsprechend bin ich zufrieden mit dem was ich gespielt habe, am Ende ist es natürlich schade, dass es dann so knapp nicht mit dem Aufstieg geklappt hat. Aber es war  ein super Event und einfach toll auch mal dabei zu sein als Aktiver.“

Janos Jakab (HUN/WRL 141) - Union Stockerau
Janos Jakabs persönliches Fazit: „Mit unserer ungarischen Mannschaft haben wir in der Challenge Division (Anm. zweite Kategorie) den vierten Platz erreicht und das bedeutet, wir spielen bei der nächsten Europameisterschaft in der höchsten Kategorie, der Championship Division. Damit sind wir wirklich sehr zufrieden, weil nur vier Mannschaften aufsteigen konnten. Im Viertelfinale haben wir gegen die Ukraine gewonnen, wobei ich dort meine beiden Einzelspiele (Anm. Didukh [150] und Katkov[242]) gewonnen habe, womit ich sehr zufrieden bin. Im Doppel mit Dániel Kosiba konnten wir in der Gruppe nicht aufsteigen, da wir im letzten Gruppenspiel (Anm. Akerstrom/Oversjo [SWE]) nach einer 2:1 Satzführung und 5:1 im vierten Satz am Ende verloren haben und von daher war im Doppel sicherlich mehr möglich. Im Einzel bin ich in einer starken Gruppe (Anm. mit Domeika [LTU/746], Pysar [UKR/366] und Dyjas [POL/231]) weiter gekommen und im Hauptraster gegen Patrick Baum, nach gutem Tischtennis, mit 2:4 unterlegen. Nach dem Spiel konnte ich erhobenen Hauptes die Box verlassen, denn gegen einen Patrick Baum kann man verlieren und das 2:4 zeigt, dass ich durchaus meine Chancen gehabt habe.“

Stefan Leitgeb (AUT/WRL 551) - Innsbruck
Stefan Leitgebs persönliches Fazit: „Von meiner Seite gibt es da nicht so viel zu sagen, da ich leider nur das Doppel gespielt habe. Aber wir haben nicht die Leistung gebracht, die wir beim A-Turnier gezeigt haben und dann ist es eben schwer etwas zu gewinnen.“
So musste sich Stefan Leitgeb gemeinsam mit Simon Pfeffer den Franzosen Angles/Salifou und den Briten Baggaley/Reed jeweils in vier Sätzen geschlagen geben und auch gegen die Slowenen Persolja/Slatinsek reichte es trotz einer 2:0 Satzführung nicht zu einem vollen Erfolg.

Bojan Milosevic (SRB/WRL 328) - Linz-Altstadt
Bojan Milosevics persönliches Fazit: „Ich bin nicht wirklich so zufrieden mit meiner spielerischen Leistung, aber wenn man bedenkt, dass ich seit vier Jahren keine Europameisterschaften oder Pro Tour Turniere mehr spiele, war es nicht so schlecht.“
In seiner Einzel-Qualifikationsgruppe startete der seit dieser Saison für Linz-Altstadt spielende Serbe mit einer Fünfsatzniederlage gegen den Belgier Vostes (249) und unterlag danach dem starken ungarischen Verteidiger Pattantyus (103) mit 1:3. Nach einem kampflosen Sieg gegen Vannucci (SMR/1095) war die Gruppenphase als Dritter für Bojan Milosevic beendet.
Im Doppelbewerb unterlagen Crepulja/Milosevic nach zwei Siegen im entscheidenden Qualifikationsspiel den Slowenen Tokic/Zibrat klar in drei Sätzen und man schied als Tabellenzweiter aus.

Zsolt Pete (SRB/WRL 139) - SPG Walter Wels
Die letztjährige Einzel Nummer eins des Bundesliga-Grunddurchganges konnte in seiner Einzel-Qualifikationsgruppe von keinem seiner drei Gegner besiegt werden und stieg nach Erfolgen über Persolja (SVN/765), Menge (TUR/361) und Sternberg (DEN/232) auf. In Runde eins des Hauptbewerbes wartet dann jedoch der spätere Bronzemedaillengewinner Bastian Steger, welcher sich beim klaren 4:0 Erfolg als eindeutig zu stark erweisen sollte.
Im Doppel konnten Pete/Jevtovic nach dem erfolgreichen Meistern der Qualifikationsgruppe in Runde eins Fegerl/Feng klar besiegen. Danach folge wohl eine der Sensationen dieser Europameisterschaft: in einer unfassbar starken Partie konnten die deutschen Mitfavoriten Baum/Steger in drei starken Sätzen bezwungen werden. Im Viertelfinale angelangt, war dann aber gegen die späteren Sieger Tan Ruiwu (HRV)/Wang Zeng Yi (POL) nach einer 1:4 Niederlage Endstation.

Simon Pfeffer (AUT/WRL 679) - Union Stockerau
Simon Pfeffers persönliches Fazit: „Mit meiner spielerischen Leistung bin ich insgesamt zufrieden, weil ich gesehen hab, dass ich mit den Topspielen auf Augenhöhe bin. Ich habe leider ein paar Chancen ausgelassen und daher kam es zu den knappen 2:3 Niederlagen (Anm. Vainula [EST/426] und Kosiba [HUN/189]). Ergebnismäßig bin ich nicht zufrieden, weil ich gerne ein bis zwei bessere Spieler geschlagen hätte, aber meine Zeit kommt noch.“

Dominique Plattner (AUT/WRL 478) - SPG Walter Wels
Dominique Plattners persönliches Fazit: „Ich habe in meinen drei verlorenen Einzeln (Anm. Zeljko [HRV/444], Duran [ESP/177] und Papageorgiou [GRE/171]) einige Chancen ausgelassen. Spielerisch war die Leistung meiner Meinung nach gut. Im Doppel sind wir (Anm. mit Martin Storf) leider im Dreierrad mit dem schlechtesten Satzverhältnis ausgeschieden, wobei  vor allem der Sieg gegen die ungarisch/slowenische Paarung Pattantyus/Lasan für uns ein schönes Ergebnis war.“

Daniel Reed (GBR/WRL 228) - Ece Grill Kapfenberg
Daniel Reeds persönliches Fazit: „Ich war schon recht zufrieden mit meiner Leistung . . . vor allem der Sieg im Teambewerb gegen Li Ahmet (TUR/109) war ein toller Erfolg für mich. Aber leider habe ich auch einige knappe Matches gegen gute Spieler (Anm. Ionescu [ROU/175], Zsolt Pete [SRB/139]) verloren. Mein Ziel in der Einzel Qualifikationsgruppe war es die erste Hauptrunde zu erreichen, doch leider musste ich mich in drei Sätzen Jean-Michael Saive (Bel/130) geschlagen geben.“

Martin Storf (AUT/WRL 368) - Mauthausen
Martin Storfs persönliches Fazit: „Ich bin nicht so zufrieden mit meiner Leistung, weil ich vor allem am Anfang eher schlecht gespielt habe. Im Doppel haben wir (Anm. mit Dominique Plattner) gleich das erste Match ziemlich verhaut und danach war es aber ganz in Ordnung, aber ein Aufstieg war halt leider nicht mehr möglich. Und im Einzel wäre (Anm. 0:3 gegen Reed [GBR/228], 1:3 gegen Saive [BEL/130] und 3:0 gegen Lindholm [NOR/743]), so denk ich, schon ein bisschen mehr drinnen gewesen.“